Wiederbelebung beim Hund – wann sie notwendig ist und wie sie richtig durchgeführt wird
Wann und warum kann eine Wiederbelebung beim Hund notwendig sein?
Eine Wiederbelebung beim Hund kann notwendig sein, wenn es zu einem Herz- oder Atemstillstand kommt – etwa nach einem Unfall, Hitzschlag oder unter Narkose. Sie ist nur sinnvoll, wenn der Hund bewusstlos ist und nicht mehr atmet oder keinen Herzschlag zeigt. Richtig angewendet, kann Erste Hilfe wertvolle Zeit überbrücken. Wie Sie dabei richtig vorgehen und worauf es wirklich ankommt, erfahren Sie in der ausführlichen Anleitung im Artikel.
Akute Notfälle beim Hund sind zwar selten, jedoch potenziell lebensbedrohlich. Insbesondere bei einem plötzlichen Herzstillstand oder Atemstillstand zählt jede Minute. Hundehalter, die über grundlegende Kenntnisse der kardiopulmonalen Reanimation (CPR) verfügen, sind in der Lage, im Ernstfall ruhig und strukturiert zu handeln – und ihrem Tier so möglicherweise das Leben zu retten.
Was versteht man unter Wiederbelebung beim Hund?
Unter Wiederbelebung, auch kardiopulmonale Reanimation (CPR) genannt, versteht man alle Maßnahmen, die darauf abzielen, die Atmung und den Kreislauf eines Hundes aufrechtzuerhalten oder wiederherzustellen, wenn diese ausgefallen sind. Dabei wird zwischen einem Atemstillstand, bei dem der Hund nicht mehr atmet, der Herzschlag jedoch noch vorhanden ist, und einem Herzstillstand, bei dem das Herz nicht mehr schlägt und in der Regel auch keine Atmung mehr stattfindet, unterschieden. Ziel der Reanimation ist es, die Sauerstoffversorgung des Gehirns und anderer lebenswichtiger Organe so lange zu sichern, bis professionelle tierärztliche Hilfe zur Verfügung steht. Erste-Hilfe-Maßnahmen können in dieser Phase wertvolle Zeit überbrücken, ersetzen jedoch keinesfalls die notwendige tierärztliche Behandlung.
Wann kann eine Wiederbelebung beim Hund notwendig sein?
Herzstillstand beim Hund
Ein plötzlicher Herzstillstand beim Hund ist ein absoluter Notfall. Häufige Ursachen:
- Herzrhythmusstörungen oder angeborene Herzkrankheiten
- Narkosekomplikationen (z. B. während Operationen)
- Akute Kreislaufversagen infolge anderer Erkrankungen
Weitere mögliche Auslöser
- Schwere Unfälle, etwa Verkehrsunfälle oder Stürze
- Ertrinken oder Beinahe-Ertrinken
- Hitzschlag bei starker Sonneneinstrahlung
- Vergiftungen oder Stromunfälle
Alle diese Situationen können in einem Atem- oder Herzstillstand gipfeln – und eine sofortige Reaktion erforderlich machen.
In welchem Zustand ist eine Wiederbelebung sinnvoll?
Eine Reanimation beim Hund ist nur dann sinnvoll, wenn er bewusstlos ist, keine Atmung erkennbar oder fühlbar ist – etwa durch ausbleibende Brustkorbbewegungen oder fehlenden Luftstrom – und kein tastbarer Herzschlag festgestellt werden kann, zum Beispiel im Bereich des Oberschenkels oder direkt am Herzen. In solchen Fällen kann schnelles Handeln lebensrettend sein. Keine Wiederbelebung sollte jedoch durchgeführt werden, wenn der Hund bereits starr und kalt ist, was auf einen eingetretenen Tod hindeutet, oder wenn schwere Verletzungen vorliegen, die mit dem Leben nicht vereinbar sind. Besonders entscheidend ist der Zeitfaktor: Bereits wenige Minuten nach einem Kreislaufstillstand sinken die Überlebenschancen drastisch. Deshalb zählt in solchen Notfällen jede Sekunde.
Vorbereitung – was vor der Wiederbelebung geprüft werden muss
Bevor mit der Reanimation begonnen wird:
- Eigene Sicherheit prüfen (Straßenverkehr, Stromquelle etc.)
- Bewusstsein testen (Hund laut ansprechen, leicht berühren)
- Atemwege freimachen (Maul öffnen, Fremdkörper entfernen)
- Atmung beobachten (Brustbewegung, Luftstrom an der Nase)
- Herzschlag prüfen (Brustkorb abhören, Puls an der Innenseite des Oberschenkels tasten)
Wiederbelebung beim Hund – kurze Schritt-für-Schritt-Anleitung
Die kardiopulmonale Reanimation (CPR) beim Hund besteht aus Atemspende und Herzdruckmassage. Sie muss unmittelbar und ohne Verzögerung erfolgen, wenn keine Atmung oder kein Herzschlag feststellbar ist.
Richtige Lagerung des Hundes
- Seitenlage: Der Hund sollte auf der rechten Seite liegen – das erleichtert die Herzdruckmassage.
- Kopf und Hals strecken, um die Atemwege zu öffnen.
- Zunge vorsichtig herausziehen, um die Luftröhre freizuhalten.
Beatmung beim Hund
- Maul des Hundes schließen (Maul sanft zudrücken).
- Atemspende über die Nase: Den Fang mit der Hand umfassen, sodass keine
- Luft entweicht. Luft einblasen – etwa so viel, dass sich der Brustkorb sichtbar hebt.
- Rhythmus:
- Zwei Beatmungen im Wechsel mit 30 Herzdruckmassagen.
- Frequenz: ca. 10 Atemzüge pro Minute.
Herzdruckmassage beim Hund
Die Technik variiert je nach Größe und Brustform:
Kleine Hunde & Katzen (unter 10 kg):
- Hände umfassen den Brustkorb seitlich („Katzenmethode“).
- Drücken mit Daumen und Fingern – ca. 100–120 Kompressionen/Minute.
Mittelgroße Hunde:
- Hände übereinander auf den höchsten Punkt des Brustkorbs.
- Drucktiefe: 1/3 bis 1/2 der Brustkorbhöhe.
- Frequenz: 100–120/Minute.
Große Hunde (breite Brust):
- Herzdruckmassage in der Rückenlage, auf dem Brustbein.
Wichtig: Die Kombination aus Beatmung und Massage ist essenziell. Im Notfall lieber mit der Herzdruckmassage beginnen, wenn man unsicher ist.
Diese Anleitung dient als Orientierung im Notfall. Sie ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs für Hunde, der dringend empfohlen wird.
Was nach einer erfolgreichen Wiederbelebung zu beachten ist
Nach einer erfolgreichen Wiederbelebung ist es besonders wichtig, den Hund ruhig zu halten und unnötige Bewegungen zu vermeiden, um seinen Kreislauf nicht zusätzlich zu belasten. Die Atmung und das Bewusstsein sollten kontinuierlich beobachtet werden, um mögliche Veränderungen schnell zu erkennen. Gleichzeitig sollte darauf geachtet werden, dass der Hund nicht auskühlt – eine Decke, idealerweise eine Isolierdecke, kann dabei helfen, die Körpertemperatur zu stabilisieren. Unmittelbar nach der Reanimation sollte weder Futter noch Wasser angeboten werden, da die Gefahr des Verschluckens besteht und der Schluckreflex möglicherweise noch nicht vollständig funktioniert.
Transport des Hundes nach der Wiederbelebung
Nachdem der Hund wieder eigene Lebenszeichen zeigt, sollte er so schnell wie möglich tierärztlich versorgt werden. Für den Transport ist es wichtig, ihn möglichst ruhig und schonend zu lagern, idealerweise auf einer stabilen Unterlage wie einer Decke oder einem Brett. Dabei ist eine seitliche Position mit leicht erhöhtem Kopf hilfreich, um die Atmung zu erleichtern und den Kreislauf zu entlasten. Unnötige Bewegungen sollten unbedingt vermieden werden, da sie den Zustand des Hundes verschlechtern könnten.
Noch vor der Ankunft in der Tierarztpraxis sollte telefonisch angekündigt werden, dass ein Notfall auf dem Weg ist. Dabei ist es hilfreich, so präzise wie möglich zu schildern, was genau passiert ist – ob es sich zum Beispiel um einen Unfall, einen Hitzschlag oder einen plötzlichen Kollaps handelt. Auch die Dauer der Bewusstlosigkeit sowie die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen sollten kurz beschrieben werden. Diese Informationen ermöglichen es dem tierärztlichen Team, sich gezielt und schnell auf die Versorgung des Hundes vorzubereiten.
Wiederbelebung beim Hund – warum Vorbereitung im Notfall entscheidend ist
Auch wenn Notfälle dieser Art selten sind, lohnt es sich, vorbereitet zu sein. Wer die Abläufe kennt, handelt im Ernstfall nicht nur schneller, sondern auch sicherer – für sich selbst und für das Tier. Grundwissen zur Wiederbelebung schafft Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und hilft dabei, im entscheidenden Moment Ruhe zu bewahren. Langfristig können praktische Trainings, Erste-Hilfe-Kurse sowie eine gut ausgestattete Hausapotheke für den Hund entscheidend dazu beitragen, im Notfall handlungsfähig zu bleiben.
Erste-Hilfe-Kurs für Hunde: Theorie allein reicht nicht aus
Theoretisches Wissen ist eine wichtige Grundlage – noch wertvoller wird es jedoch, wenn es durch praktische Übungen ergänzt wird. Wer die Möglichkeit hat, einen Erste-Hilfe-Kurs für Hunde zu besuchen, sollte diese unbedingt nutzen, insbesondere wenn ein eigener Hund zur Familie gehört. Solche Kurse werden heute von vielen Tierarztpraxen sowie anerkannten Organisationen wie dem Deutsches Rotes Kreuz oder dem Arbeiter-Samariter-Bund angeboten und finden in der Regel bundesweit statt, sodass sich meist auch im eigenen Ort oder in der näheren Region ein passendes Kursangebot finden lässt.
Beispiele für entsprechende Kurse:
- https://www.drkfrankfurt.de/kurse/erste-hilfe/erste-hilfe-am-hund.html
- https://www.asb-ka.de/erste-hilfe/erste-hilfe-wuff
- https://www.kursverwaltung.drk-wob.de/kurse/erste-hilfe-am-hund.html
- https://www.duisburg-erstehilfe.de/erste-hilfe/erste-hilfe-kurse-fuer-tiere.html
- https://www.drk-mittelhessen.de/kurse/erste-hilfe/erste-hilfe-kurs-am-hund.html#c20940
Tierärztlicher Notdienst: Wo Sie rund um die Uhr Hilfe erhalten
Im Falle eines akuten Notfalls nach einer Wiederbelebung oder bei plötzlicher Lebensgefahr ist eine sofortige tierärztliche Versorgung entscheidend. In Deutschland gibt es zahlreiche Tierkliniken und regionale Notdienstsysteme, die eine 24-Stunden-Notfallversorgung anbieten oder in ein zentrales Notdienst-Rotationssystem eingebunden sind.
Berlin
1. Valera Tierklinik Berlin
Telefon: 030 20 1805 750
Adresse: Potsdamer Straße 23/24, 14163 Berlin
Website: https://www.valeratierklinikberlin.com/
(24-Stunden-Notdienst)
Berlin / Brandenburg (regionaler Notdienst)
1. Veterinärmedizinischer Notdienst Berlin/Brandenburg
Telefon (Notruf): +49 157 85949631
Adresse: wechselnde diensthabende Praxen
Website: telefonische Auskunft
(24-Stunden-Notdienst, regionale Rufbereitschaft)
Bayern
1. Tierklinik Oberhaching
Telefon: 089 / 63 89 30 20
Adresse: Bajuwarenring 10, 82041 Oberhaching
Website: https://tierklinik-oberhaching.de/
(24-Stunden-Notdienst, 365 Tage im Jahr)
Hessen
1. AniCura Tierklinik Frankfurt/Hofheim
Telefon: 069 97074955
Adresse: Bismarckstraße 28, 65719 Hofheim am Taunus
Website: https://www.anicura.de/
(24-Stunden-Notdienst)
Niedersachsen
1. Tierklinik Sarstedt
Telefon: 05066 7331 oder 0151 50 07 331
Adresse: Wenderter Straße 7, 31157 Sarstedt
Website: https://www.tierklinik-sarstedt.net/
(24-Stunden-Notdienst)
Nordrhein-Westfalen
1. AniCura Recklinghausen
Telefon: +49 2361 9045 980
Adresse: Am Stadion 113, 45659 Recklinghausen
Website:
https://www.anicura.de/standorte/recklinghausen-tieraerztliche-klinik-fuer-kleintiere/
(24-Stunden-Notdienst)
Rheinland-Pfalz
1. Tierklinik Trier
Telefon: je nach Notdienst-Tag
Adresse: Pellinger Straße 57, 54294 Trier
Website: Notdienst-Informationen über regionale Tierärztekammer
(Teil des landesweiten Notdienstsystems)
Schleswig-Holstein / Hamburg
1. Tierklinik Norderstedt
Telefon (Notdienst): 0481 8582399
Adresse: Kabels Stieg 41, 22850 Norderstedt
Website: https://www.tierklinik-norderstedt.de/notdienst
(regionaler Notdienst Hamburg / Schleswig-Holstein)
Mecklenburg-Vorpommern
1. Tierklinik Alt‑Sammit
Telefon: 038457 50777
Adresse: Lerchenweg 1a, 18292 Krakow am See
Website: http://praxis-fuer-pferde.de/
(große regionale Klinik, Notfallaufnahme im Rahmen des regionalen Notdienstes)
Thüringen
1. Tierärztliche Klinik für Kleintiere Erfurt
Telefon (zentraler Notdienst): 0361 64478808
Adresse: Amtmann-Kästner-Platz 9, 99091 Erfurt
Website: https://kleintierklinik-kroell.de/
(Teil des landesweiten Thüringer Notdienstsystems)
Häufige Fragen zur Wiederbelebung beim Hund
Kann man jeden Hund reanimieren?
Nicht jeder Hund kann erfolgreich reanimiert werden. Eine Reanimation ist nur sinnvoll, wenn keine schweren, tödlichen Verletzungen vorliegen und eine realistische Chance auf die Wiederherstellung von Herzschlag und Atmung besteht.
Wie lange sollte man eine Wiederbelebung durchführen?
Die Wiederbelebung sollte so lange durchgeführt werden, bis der Hund wieder atmet oder professionelle Hilfe eintrifft. Bleibt eine Reaktion länger als 10 bis 15 Minuten aus, sinkt die Überlebenschance deutlich.
Unterscheidet sich die Wiederbelebung bei Hund und Katze?
Grundsätzlich sind die Abläufe ähnlich, aber es gibt Unterschiede in Anatomie und Technik. Druckpunkt, Lagerung und Kraftaufwand müssen je nach Tierart und Größe angepasst werden.
Ist eine Wiederbelebung ohne Training gefährlich?
Eine Reanimation ohne Training birgt geringe Risiken, kann aber im Notfall trotzdem helfen. Dennoch ist ein Erste-Hilfe-Kurs für Hunde sehr empfehlenswert, um sicherer und effektiver handeln zu können.
Informationsquellen
- Iannucci, C., Hoehne, S. N., Murthy, V. D., Dutil, G., & Maiolini, A. (2023). Successful resuscitation and neurological monitoring of a dog with out-of-hospital cardiopulmonary arrest due to pentobarbital overdose. Journal of Veterinary Emergency and Critical Care, 33(2), 214–221. https://doi.org/10.1111/vec.13279. Abgerufen am 12. Januar 2026 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36815742/
- Rieser, T. M. (2000). Cardiopulmonary resuscitation. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 30(6), 1339–1359. https://doi.org/10.1016/S0195-5616(00)50036-6. Abgerufen am 12. Januar 2026 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10998819/
- Ebmeyer, U., Safar, P., Radovsky, A., Xiao, F., Capone, A., Tanigawa, K., & Stezoski, S. W. (2000). Thiopental combination treatments for cerebral resuscitation after prolonged cardiac arrest in dogs: Exploratory outcome study. Resuscitation, 45(2), 125–138. https://doi.org/10.1016/S0300-9572(00)00173-8. Abgerufen am 12. Januar 2026 von https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0300957200001738









